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Erdafitinib beim Urothelkarzinom: Hinweise auf Erhalt der Wirksamkeit bei Dosisreduktionen

Den Ergebnissen einer aktuellen Post-hoc-Analyse von Kohorte 1 der THOR-Studie zufolge, kann die Wirksamkeit von Erdafitinib (Balversa®) in der Therapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms mit FGFR3-Genalterationen erhalten bleiben, wenn Dosisreduktionen vorgenommen werden. Dies liefert Hinweise darauf, dass ein proaktives Nebenwirkungsmanagement beim Einsatz von Erdafitinib dazu beitragen kann, die Verträglichkeit ohne Verlust der Wirksamkeit zu optimieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Kohorte 1 der globalen, randomisierten, open label Phase-III-Studie THOR waren Dosisreduktionen von Erdafitinib (Balversa®) zulässig [1,2].
  • Auf dieser Kohorte basiert die Zulassung des pan-Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-(FGFR)-Tyrosinkinase-Inhibitors für die Behandlung von Patient*innen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom (urothelial carcinoma, UC), bei denen bestimmte genetische Veränderungen des Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptors-3 (fibroblast growth factor receptor 3, FGFR3) vorliegen und die zuvor mindestens eine Therapielinie mit einem PD-(L)1-Inhibitor im nicht resezierbaren oder metastasierten Stadium erhalten haben.
  • Erdafitinib erzielte in Kohorte 1 der THOR-Studie ein signifikant längeres Gesamtüberleben als eine Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes [2]. Auch bei weiteren klinisch relevanten Endpunkten zeigte sich eine signifikante Überlegenheit von Erdafitinib [2].
  • Die aktuelle Post-hoc-Analyse weist darauf hin, dass das Abschneiden von Erdafitinib beim Gesamtüberleben und weiteren klinisch relevanten Endpunkten unabhängig davon war, ob während der Behandlung Dosisreduktionen vorgenommen wurden; von 135 Patient*innen erhielten 66 Patient*innen keine Dosisreduktion, 33 Patient*innen eine Dosisreduktion und 36 Patienten mindestens zwei Dosisreduktionen [1].

 

Erdafitinib kann in Europa seit 2024 beim fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinom nach Versagen eines PD-(L)1-Inhibitors ab der zweiten Therapielinie zum Einsatz kommen, wenn eine FGFR3-Alteration vorliegt (Abb. 1).

Abb. 1: Ausgewählte Therapiesequenzen mit Erdafitinib beim metastasierten Urothelkarzinom mit FGFR3-Alterationen (*hinsichtlich der Zulassung und es Einsatzes der Arzneimittel sind die Angaben der jeweils aktuellen Fachinformation zu beachten, mod. nach [3]).

THOR-Studie: Dosisanpassungen von Erdafitinib zulässig

Im Rahmen des Managements der Erdafitinib-Therapie werden beim Auftreten von bestimmten Nebenwirkungen Dosisanpassungen empfohlen. Diese waren bereits im Protokoll der Zulassungsstudie THOR vorgesehen [2]. In einer aktuellen Post-hoc-Analyse der Studie wurde daher untersucht, ob Dosisanpassungen, definiert als jede Verringerung von 8 mg auf ≤6 mg, die Wirksamkeit von Erdafitinib beeinflussten [1].

Die Teilnehmenden der Kohorte 1 der THOR-Studie hatten randomisiert entweder Erdafitinib (8 mg täglich mit optionaler Dosiserhöhung auf 9 mg) oder eine vom Prüfer ausgewählte Chemotherapie (Docetaxel oder Vinflunin) erhalten [2]. Von den 136 Patien*innen, die Erdafitinib anwendeten, war bei 48,5% keine und bei 24,3% eine Dosisreduktion vorgenommen worden, 26,5% hatten zwei oder mehr Dosisreduktionen benötigt [1]. Die Baseline-Charakteristika waren in diesen drei Subgruppen vergleichbar [1].

Signifikante Überlegenheit bei OS, PFS und ORR

In der Gesamtgruppe der Kohorte 1 der THOR-Studie hatte nach einem medianen Follow-up von 15,9 Monaten das mediane Gesamtüberleben (OS), der primäre Endpunkt der Studie, unter Erdafitinib bei 12,1 Monaten, unter Chemotherapie hingegen nur bei 7,8 Monaten gelegen. Das Sterberisiko wurde hierbei signifikant um 36% reduziert (Hazard Ratio [HR] 0,64; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,47-0,88; p=0,005; Abb. 2) [2]. Beim medianen progressionsfreien Überleben (PFS), einem sekundären Endpunkt, war Erdafitinib mit 5,6 Monaten vs. 2,7 Monaten unter Chemotherapie ebenfalls signifikant überlegen (HR 0,58; 95% KI 0,44-0,78; p<0,001). Auch bei der Gesamtansprechrate (ORR), einem weiteren sekundären Endpunkt, hatte sich eine signifikante Überlegenheit von Erdafitinib, mit einem knapp viermal so hohen Ansprechen im Vergleich zu Chemotherapie, gezeigt (45,6% vs. 11,5%; p<0,001). Eine komplette Remission wurde bei 6,6% der Patient*innen unter Erdafitinib und bei 0,8% der Patient*innen unter Chemotherapie beobachtet [2].

Abb. 2: THOR-Studie (Kohorte 1): Signifikant längeres Gesamtüberleben unter Erdafitinib im Vergleich zu Chemotherapie (mod. nach [2]).

Hinweise auf ähnliche Ergebnisse bei Dosisreduktionen

Die aktuelle Post-hoc-Analyse weist nun auf sehr ähnliche Ergebnisse in den drei untersuchten Erdafitinib-Subgruppen, d.h. unabhängig von der Häufigkeit der Dosisreduktionen, hin [1]. Sowohl bei Patient*innen mit einer Dosisanpassung als auch bei Patient*innen mit mindestens zwei Dosisreduktionen ließ sich im Vergleich zu Patient*innen ohne Dosisanpassung keine Verschlechterung der Endpunkte OS, PFS und ORR beobachten [1].

Die Studienautoren schließen aus ihrer Post-hoc-Analyse, dass sich für Erdafitinib selbst bei häufigen Dosisreduktionen vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich OS, PFS und ORR beobachten ließen, wie in der Erdafitinib-Gesamtgruppe [1]. Ein proaktives Nebenwirkungsmanagement kann demnach dazu beitragen, die Verträglichkeit von Erdafitinib bei den Patient*innen zu optimieren [1].


Mit freundlicher Unterstützung der Janssen-Cilag GmbH (CP-551522)

Aktuelle Pflichtangaben Balversa®


Literatur

[1] Giannatempo P, et al. ESMO Congress 2025: 3092P & Poster: cslide.ctimeetingtech.com/esmo2025/attendee/confcal_2/presentation/list?q=erdafitinib. Letzter Zugriff: 27.10.2025
[2] Loriot Y, et al. N Engl J Med. 2023;389(21):1961-71
[3] van der Heijden AG, et al. EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. EAU Guidelines Office. 2025. Abrufbar unter: https://uroweb.org/guidelines/muscle-invasive-and-metastatic-bladder-cancer. Letzter Zugriff: 19.03.2025

(pe)

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 20.11.2025

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