Erdafitinib beim Urothelkarzinom: Hinweise auf Erhalt der Wirksamkeit bei Dosisreduktionen
Den Ergebnissen einer aktuellen Post-hoc-Analyse von Kohorte 1 der THOR-Studie zufolge, kann die Wirksamkeit von Erdafitinib (Balversa®) in der Therapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms mit FGFR3-Genalterationen erhalten bleiben, wenn Dosisreduktionen vorgenommen werden. Dies liefert Hinweise darauf, dass ein proaktives Nebenwirkungsmanagement beim Einsatz von Erdafitinib dazu beitragen kann, die Verträglichkeit ohne Verlust der Wirksamkeit zu optimieren.
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Das Wichtigste auf einen Blick
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Erdafitinib kann in Europa seit 2024 beim fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinom nach Versagen eines PD-(L)1-Inhibitors ab der zweiten Therapielinie zum Einsatz kommen, wenn eine FGFR3-Alteration vorliegt (Abb. 1).
Abb. 1: Ausgewählte Therapiesequenzen mit Erdafitinib beim metastasierten Urothelkarzinom mit FGFR3-Alterationen (*hinsichtlich der Zulassung und es Einsatzes der Arzneimittel sind die Angaben der jeweils aktuellen Fachinformation zu beachten, mod. nach [3]).
THOR-Studie: Dosisanpassungen von Erdafitinib zulässig
Im Rahmen des Managements der Erdafitinib-Therapie werden beim Auftreten von bestimmten Nebenwirkungen Dosisanpassungen empfohlen. Diese waren bereits im Protokoll der Zulassungsstudie THOR vorgesehen [2]. In einer aktuellen Post-hoc-Analyse der Studie wurde daher untersucht, ob Dosisanpassungen, definiert als jede Verringerung von 8 mg auf ≤6 mg, die Wirksamkeit von Erdafitinib beeinflussten [1].
Die Teilnehmenden der Kohorte 1 der THOR-Studie hatten randomisiert entweder Erdafitinib (8 mg täglich mit optionaler Dosiserhöhung auf 9 mg) oder eine vom Prüfer ausgewählte Chemotherapie (Docetaxel oder Vinflunin) erhalten [2]. Von den 136 Patien*innen, die Erdafitinib anwendeten, war bei 48,5% keine und bei 24,3% eine Dosisreduktion vorgenommen worden, 26,5% hatten zwei oder mehr Dosisreduktionen benötigt [1]. Die Baseline-Charakteristika waren in diesen drei Subgruppen vergleichbar [1].
Signifikante Überlegenheit bei OS, PFS und ORR
In der Gesamtgruppe der Kohorte 1 der THOR-Studie hatte nach einem medianen Follow-up von 15,9 Monaten das mediane Gesamtüberleben (OS), der primäre Endpunkt der Studie, unter Erdafitinib bei 12,1 Monaten, unter Chemotherapie hingegen nur bei 7,8 Monaten gelegen. Das Sterberisiko wurde hierbei signifikant um 36% reduziert (Hazard Ratio [HR] 0,64; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,47-0,88; p=0,005; Abb. 2) [2]. Beim medianen progressionsfreien Überleben (PFS), einem sekundären Endpunkt, war Erdafitinib mit 5,6 Monaten vs. 2,7 Monaten unter Chemotherapie ebenfalls signifikant überlegen (HR 0,58; 95% KI 0,44-0,78; p<0,001). Auch bei der Gesamtansprechrate (ORR), einem weiteren sekundären Endpunkt, hatte sich eine signifikante Überlegenheit von Erdafitinib, mit einem knapp viermal so hohen Ansprechen im Vergleich zu Chemotherapie, gezeigt (45,6% vs. 11,5%; p<0,001). Eine komplette Remission wurde bei 6,6% der Patient*innen unter Erdafitinib und bei 0,8% der Patient*innen unter Chemotherapie beobachtet [2].
Abb. 2: THOR-Studie (Kohorte 1): Signifikant längeres Gesamtüberleben unter Erdafitinib im Vergleich zu Chemotherapie (mod. nach [2]).
Hinweise auf ähnliche Ergebnisse bei Dosisreduktionen
Die aktuelle Post-hoc-Analyse weist nun auf sehr ähnliche Ergebnisse in den drei untersuchten Erdafitinib-Subgruppen, d.h. unabhängig von der Häufigkeit der Dosisreduktionen, hin [1]. Sowohl bei Patient*innen mit einer Dosisanpassung als auch bei Patient*innen mit mindestens zwei Dosisreduktionen ließ sich im Vergleich zu Patient*innen ohne Dosisanpassung keine Verschlechterung der Endpunkte OS, PFS und ORR beobachten [1].
Die Studienautoren schließen aus ihrer Post-hoc-Analyse, dass sich für Erdafitinib selbst bei häufigen Dosisreduktionen vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich OS, PFS und ORR beobachten ließen, wie in der Erdafitinib-Gesamtgruppe [1]. Ein proaktives Nebenwirkungsmanagement kann demnach dazu beitragen, die Verträglichkeit von Erdafitinib bei den Patient*innen zu optimieren [1].
Mit freundlicher Unterstützung der Janssen-Cilag GmbH (CP-551522)
Literatur
[1] Giannatempo P, et al. ESMO Congress 2025: 3092P & Poster: cslide.ctimeetingtech.com/esmo2025/attendee/confcal_2/presentation/list?q=erdafitinib. Letzter Zugriff: 27.10.2025
[2] Loriot Y, et al. N Engl J Med. 2023;389(21):1961-71
[3] van der Heijden AG, et al. EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. EAU Guidelines Office. 2025. Abrufbar unter: https://uroweb.org/guidelines/muscle-invasive-and-metastatic-bladder-cancer. Letzter Zugriff: 19.03.2025
Zuletzt aufgerufen am: 12.12.2025 19:55


